
Warum eigentlich?#
Schon in meinen jungen Jahren spürte ich in mir dieses Verlangen, weitere Wegstrecken zu Fuß zurückzulegen. Das erste Mal war dies ganz konkret, als mein Freund Jens und ich von der Burgmauer des Esslinger Schlosses auf die Stadt blickten. Wir redeten darüber, und er erzählte mir, dass er vor ein paar Jahren Teile des Jakobswegs gelaufen sei. Um dieselbe Zeit habe ich auch das Buch “Ich bin dann mal weg” von Hape Kerkeling gelesen.
Es hat dann noch mehr als 15 Jahre gebraucht, bis ich die Entscheidung getroffen und diesen Wunsch umgesetzt habe: In meinem Bekanntenkreis gab es in dieser Zeit viele Todesfälle. Gerade wenn junge Menschen zu früh aus dem Leben scheiden, wird einem die eigene Endlichkeit bewusst. Man fragt sich irgendwann: Was, wenn es in 6 Monaten auch für mich vorbei wäre? Was würde ich dann bereuen, nicht gemacht zu haben?
Diese Frage ist natürlich schwer zu beantworten, aber ich habe dann beschlossen: ich muss dann mal weg.
Rahmenbedingungen und Optionen#
Die Tour, die mir vorschwebte, musste folgende Kriterien erfüllen:
- wandern über einen längeren Zeitraum (ca. 2-4 Wochen)
- draußen in der Natur schlafen mit Zelt legal möglich (Wildcamping)
- autark / wenig Zivilisation
- nicht überwandert / überlaufen (wenig Menschen)
- relativ sicher (z.B. Wildtiere, Wetter, Rettungswege, Infrastruktur, usw.)
Aus der unendlichen Anzahl an Möglichkeiten habe ich mir einige angeschaut und bewertet.
Jakobsweg – der “Jugendtraum”. Aber zu urban, zu bevölkert, zu viele Unterkünfte statt Wildnis.
CDT, PCT oder AT in den USA – 3500 bis 5000 Kilometer, viele Klimazonen, echtes Abenteuer. Aber: wahrscheinlich extra Visa, logistisch eine eigene Herausforderung, komplett überlaufen, ggf. Bären. Und, ganz ehrlich: das war mir zu krass für meinen ersten Thru-Hike.
Der Kungsleden – rund 450 Kilometer, Europa, relativ nah, sieht machbar aus. 20 bis 30 Tage. Wildnis, aber überschaubar. Einziger Minuspunkt in meiner Liste damals: kein Schnäppchen.

Kungsleden – was ist das eigentlich?#
Der Kungsleden, deutsch “Königsweg”, ist ein rund 470 Kilometer langer Fernwanderweg in schwedisch Lappland. 455 Kilometer davon zu Fuß, der Rest mit dem Boot. Er führt durch vier Nationalparks, die zum UNESCO-Welterbe Laponia gehören.

Meine Quellen für die Vorbereitung waren ein deutscher Reiseführer , die Website von Visit Sweden / STF , sowie diverse Erfahrungsberichte aus dem Internet.

Zahlen, Fakten, Planung#
Auf dem Papier sah die Sache einigermaßen überschaubar aus:
- ca. 450 km, verteilt auf 5 Etappen
- 1x Busfahren, ein paar Mal Boot, ein paar Mal Rudern
- bei ca. 20 km am Tag ca. 23 Wandertage
- plus An- und Abreise
Was die Planung interessanter machte:
- Bargeld war trotz eines eigentlich bargeldlosen Landes für die Bootstransfers nötig
- auf ca. 100 km der Strecke gibt es keine Proviantmöglichkeiten
- manche Flussüberquerungen müssen zu Fuß gewatet werden
- stellenweise kein Handy-Empfang
- Wildcampen ist grundsätzlich möglich – und Teil des Plans
Und beim Wetter durfte man sich auf ziemlich alles einstellen: Schneefall auch im Sommer, Regen sehr wahrscheinlich, nachts um die 0°C, jede Menge Mücken. Und: Es wird nie richtig dunkel.

Verpflegung#
Wie viel Essen nimmt man eigentlich mit, wenn man mehrere Wochen unterwegs ist?
Meine Planung damals war unkompliziert: ca. 3000 kcal pro Tag – und damit bin ich sehr gut gefahren.
Frühstück war fast durchgehend Müsli mit Milchpulver statt Milch – simpel, und für mich zu dem Zeitpunkt völlig unproblematisch.

Zwei Rezepte, die mich seitdem auf so gut wie jeder Tour begleiten, findet ihr übrigens auch hier im Blog: Kartoffelbrei für unterwegs und Mousse au Chocolat für unterwegs (auf dem nachfolgenden Bild oben links).

Resupply-Möglichkeiten#
Eine der wichtigsten Fragen bei der Planung: Wo komme ich unterwegs an Essen und wie sieht es mit der Trinkwasserversorgung aus?
Der Kungsleden ist in dieser Hinsicht deutlich komfortabler, als ich anfangs erwartet hatte. Über Wasser braucht man sich auf dem Kungsleden und wahrscheinlich in Schweden allgemein keine Gedanken machen. Entlang der Strecke liegen mehrere größere Orte mit Supermarkt oder zumindest einem Hütten-Shop, sodass sich die Tour in überschaubare, versorgbare Abschnitte einteilen lässt.
Grob orientiert an meinen 5 Etappen sah das so aus:
- Hemavan (Start) -> Ammarnäs
- Ammarnäs -> Jäkkvikk
- Jäkkvikk -> Kvikkjokk
- Kvikkjokk -> Saltoluokta
- Saltoluokta -> (mit dem Bus) Vakkotavare -> Abisko (Ziel)

Die Karte gibt einen guten ersten Überblick: Entfernungen zwischen den Orten, sowie welche Infrastruktur (Übernachtung, Shop, Sauna, Strom) jeweils vor Ort ist.

Meine eigenen Regeln#
Neben dem, was der Kungsleden von einem abverlangt, hatte ich mir noch ein paar eigene Regeln gesetzt.
- Von Süd nach Nord laufen (Anreise war einfacher)
- Keine Ablenkung – kein Buch, kein E-Book-Reader, keine Kopfhörer
- So oft wie möglich draußen schlafen, statt in Hütten
- Jede der 5 Etappen für sich autark, also nur nach jeder Etappe Verpflegung aufnehmen
- keine eigenen Versorgungspakete, sondern bewusst “Chaos” in Kauf nehmen
- Rahmenbedingungen schaffen (Informationen, Fähigkeiten, Ausrüstung) und nicht alles straff planen

Sicherheit, Orientierung und Navigation#
Da der Kungsleden ein für schwedische Verhältnisse “Touristenmagnet” ist, insbesondere je weiter nördlich man unterwegs ist, hatte ich mich dazu entschlossen, nur mit dem Mobiltelefon zu navigieren. Als Offline-Navigation habe ich Topo GPS mit dem Kartenmaterial von Schweden verwendet, sowie den Kungsleden als GPX-Track importiert.
Für mich war wichtig, dass ich mich unterwegs in alle Hüttenbücher eingetragen habe, damit im Notfall nachvollziehbar ist, wo ich verloren gegangen bin. Insgesamt hatte ich fast auf dem gesamten Kungsleden Handyempfang. Nicht durchgehend, sondern immer mal wieder. Lediglich auf der nördlichsten Etappe von Vakkotavare nach Abisko war bis wenige Kilometer vor Abisko kein Empfang.
So sah meine geplante Route aus:
Ausrüstung und Vorbereitung#
Auf die Tour habe ich mich fast ein Jahr lang vorbereitet. Zur Vorbereitung zählten unter anderem: Richtige Schlafsack-, Zelt- und Rucksackwahl, sowie die Frage nach Sicherheit, Orientierung, Navigation, aber eben auch die körperliche Vorbereitung. Immerhin habe ich zuvor noch nie 16 Kilogramm Gepäck mehrere Hundert Kilometer durch die schwedische Wildnis geschleppt. Das Thema Ausrüstung und Vorbereitung ist deshalb sehr vielseitig. Falls du konkrete Fragen hast, schreib mir einfach.
Meine ungefähre Ausrüstung kannst du hier nachlesen: https://lighterpack.com/r/cxrv96
Zu meinen Erfahrungen mit dem Exped Lightning 45 Rucksack habe ich einen eigenen Artikel geschrieben.

