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Kungsleden 2024 – Die Idee und die Planung
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Kungsleden 2024 – Die Idee und die Planung

Kungsleden 2024 - Dieser Artikel ist Teil einer Serie.
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Markus
Markus
Bevor es auf dem Kungsleden losgeht, ein Schritt zurück: Wie kommt man eigentlich auf die Idee, für mehrere Wochen allein durch schwedische Wildnis zu laufen? Und warum ausgerechnet dieser Weg?

Warum eigentlich?
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Schon in meinen jungen Jahren spürte ich in mir dieses Verlangen, weitere Wegstrecken zu Fuß zurückzulegen. Das erste Mal war dies ganz konkret, als mein Freund Jens und ich von der Burgmauer des Esslinger Schlosses auf die Stadt blickten. Wir redeten darüber, und er erzählte mir, dass er vor ein paar Jahren Teile des Jakobswegs gelaufen sei. Um dieselbe Zeit habe ich auch das Buch “Ich bin dann mal weg” von Hape Kerkeling gelesen.

Es hat dann noch mehr als 15 Jahre gebraucht, bis ich die Entscheidung getroffen und diesen Wunsch umgesetzt habe: In meinem Bekanntenkreis gab es in dieser Zeit viele Todesfälle. Gerade wenn junge Menschen zu früh aus dem Leben scheiden, wird einem die eigene Endlichkeit bewusst. Man fragt sich irgendwann: Was, wenn es in 6 Monaten auch für mich vorbei wäre? Was würde ich dann bereuen, nicht gemacht zu haben?

Diese Frage ist natürlich schwer zu beantworten, aber ich habe dann beschlossen: ich muss dann mal weg.


Rahmenbedingungen und Optionen
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Die Tour, die mir vorschwebte, musste folgende Kriterien erfüllen:

  • wandern über einen längeren Zeitraum (ca. 2-4 Wochen)
  • draußen in der Natur schlafen mit Zelt legal möglich (Wildcamping)
  • autark / wenig Zivilisation
  • nicht überwandert / überlaufen (wenig Menschen)
  • relativ sicher (z.B. Wildtiere, Wetter, Rettungswege, Infrastruktur, usw.)

Aus der unendlichen Anzahl an Möglichkeiten habe ich mir einige angeschaut und bewertet.

Jakobsweg – der “Jugendtraum”. Aber zu urban, zu bevölkert, zu viele Unterkünfte statt Wildnis.

CDT, PCT oder AT in den USA – 3500 bis 5000 Kilometer, viele Klimazonen, echtes Abenteuer. Aber: wahrscheinlich extra Visa, logistisch eine eigene Herausforderung, komplett überlaufen, ggf. Bären. Und, ganz ehrlich: das war mir zu krass für meinen ersten Thru-Hike.

Der Kungsleden – rund 450 Kilometer, Europa, relativ nah, sieht machbar aus. 20 bis 30 Tage. Wildnis, aber überschaubar. Einziger Minuspunkt in meiner Liste damals: kein Schnäppchen.

Emil
Zusammengefasst: Alles außer dem Kungsleden war entweder zu voll, zu teuer oder hatte Bären.
Emil

Kungsleden – was ist das eigentlich?
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Der Kungsleden, deutsch “Königsweg”, ist ein rund 470 Kilometer langer Fernwanderweg in schwedisch Lappland. 455 Kilometer davon zu Fuß, der Rest mit dem Boot. Er führt durch vier Nationalparks, die zum UNESCO-Welterbe Laponia gehören.

Markus
Markus
Die genaue Distanz ist schwierig zu ermitteln und es gibt auch keine eindeutigen Zahlen dazu. Manche zählen die Boots- und Busfahrten dazu, andere wiederum nicht. Ich verwende bei meiner Erzählung 450km, da das die ungefähre Distanz ist, die ich zu Fuß zurückgelegt habe.

Meine Quellen für die Vorbereitung waren ein deutscher Reiseführer , die Website von Visit Sweden / STF , sowie diverse Erfahrungsberichte aus dem Internet.

Markus
Markus
Wie gut diese Quellen tatsächlich waren, ist wiederum eine andere Geschichte. Dazu mehr in Etappe 3.

Zahlen, Fakten, Planung
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Auf dem Papier sah die Sache einigermaßen überschaubar aus:

  • ca. 450 km, verteilt auf 5 Etappen
  • 1x Busfahren, ein paar Mal Boot, ein paar Mal Rudern
  • bei ca. 20 km am Tag ca. 23 Wandertage
  • plus An- und Abreise

Was die Planung interessanter machte:

  • Bargeld war trotz eines eigentlich bargeldlosen Landes für die Bootstransfers nötig
  • auf ca. 100 km der Strecke gibt es keine Proviantmöglichkeiten
  • manche Flussüberquerungen müssen zu Fuß gewatet werden
  • stellenweise kein Handy-Empfang
  • Wildcampen ist grundsätzlich möglich – und Teil des Plans

Und beim Wetter durfte man sich auf ziemlich alles einstellen: Schneefall auch im Sommer, Regen sehr wahrscheinlich, nachts um die 0°C, jede Menge Mücken. Und: Es wird nie richtig dunkel.

Emil
Zur Einordnung: “Unberechenbar” stand tatsächlich als Stichwort auf meiner – ich meine seiner – Planungsfolie. Mit dem Zusatz “Top.” Ich glaube, das war ironisch gemeint. Ich hoffe es zumindest.
Emil

Verpflegung
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Wie viel Essen nimmt man eigentlich mit, wenn man mehrere Wochen unterwegs ist?

Meine Planung damals war unkompliziert: ca. 3000 kcal pro Tag – und damit bin ich sehr gut gefahren. Frühstück war fast durchgehend Müsli mit Milchpulver statt Milch – simpel, und für mich zu dem Zeitpunkt völlig unproblematisch.

Markus
Markus
Wie sich das über eine deutlich längere autarke Etappe verhält, wie ich rechne, und warum ich inzwischen vom Müsli weggekommen bin, hab ich ausführlich in meiner Essensplanung für den Nordkalottleden aufgeschrieben. Auf dem Kungsleden war aber mein Fokus noch sehr Müsli-lastig.

Zwei Rezepte, die mich seitdem auf so gut wie jeder Tour begleiten, findet ihr übrigens auch hier im Blog: Kartoffelbrei für unterwegs und Mousse au Chocolat für unterwegs (auf dem nachfolgenden Bild oben links).

Ausrüstung und Verpflegung für den Kungsleden
Ausrüstung und Verpflegung (links) für die ersten Tage auf dem Kungsleden

Resupply-Möglichkeiten
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Eine der wichtigsten Fragen bei der Planung: Wo komme ich unterwegs an Essen und wie sieht es mit der Trinkwasserversorgung aus?

Der Kungsleden ist in dieser Hinsicht deutlich komfortabler, als ich anfangs erwartet hatte. Über Wasser braucht man sich auf dem Kungsleden und wahrscheinlich in Schweden allgemein keine Gedanken machen. Entlang der Strecke liegen mehrere größere Orte mit Supermarkt oder zumindest einem Hütten-Shop, sodass sich die Tour in überschaubare, versorgbare Abschnitte einteilen lässt.

Grob orientiert an meinen 5 Etappen sah das so aus:

  1. Hemavan (Start) -> Ammarnäs
  2. Ammarnäs -> Jäkkvikk
  3. Jäkkvikk -> Kvikkjokk
  4. Kvikkjokk -> Saltoluokta
  5. Saltoluokta -> (mit dem Bus) Vakkotavare -> Abisko (Ziel)
Kungsleden Route mit Resupply Übersicht
Kungsleden Route mit Verpflegungspunkten - Quelle: Wikipedia / Trackoverview / CC-BY-SA 4.0

Die Karte gibt einen guten ersten Überblick: Entfernungen zwischen den Orten, sowie welche Infrastruktur (Übernachtung, Shop, Sauna, Strom) jeweils vor Ort ist.

Markus
Markus
Wie zuverlässig diese Planung auf dem Papier tatsächlich war, ist nochmal eine andere Sache. Ammarnäs zum Beispiel hat wunderbar funktioniert – siehe Etappe 2. Kvikkjokk dagegen weniger, dazu mehr in Etappe 4.

Meine eigenen Regeln
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Neben dem, was der Kungsleden von einem abverlangt, hatte ich mir noch ein paar eigene Regeln gesetzt.

  • Von Süd nach Nord laufen (Anreise war einfacher)
  • Keine Ablenkung – kein Buch, kein E-Book-Reader, keine Kopfhörer
  • So oft wie möglich draußen schlafen, statt in Hütten
  • Jede der 5 Etappen für sich autark, also nur nach jeder Etappe Verpflegung aufnehmen
  • keine eigenen Versorgungspakete, sondern bewusst “Chaos” in Kauf nehmen
  • Rahmenbedingungen schaffen (Informationen, Fähigkeiten, Ausrüstung) und nicht alles straff planen
Markus
Markus
Diese Regeln haben die Tour für mich besonders gemacht. Wenn ich mir ein Tageslimit oder eine genaue Planung im Vorfeld überlegt hätte, wäre es mir sehr schwer gefallen, davon abzuweichen. Da ich wenig konkret geplant, aber mir sehr gute Rahmenbedingungen gesetzt hatte, konnte ich unbeschwert und frei die Reise genießen.

Sicherheit, Orientierung und Navigation
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Da der Kungsleden ein für schwedische Verhältnisse “Touristenmagnet” ist, insbesondere je weiter nördlich man unterwegs ist, hatte ich mich dazu entschlossen, nur mit dem Mobiltelefon zu navigieren. Als Offline-Navigation habe ich Topo GPS mit dem Kartenmaterial von Schweden verwendet, sowie den Kungsleden als GPX-Track importiert.

Für mich war wichtig, dass ich mich unterwegs in alle Hüttenbücher eingetragen habe, damit im Notfall nachvollziehbar ist, wo ich verloren gegangen bin. Insgesamt hatte ich fast auf dem gesamten Kungsleden Handyempfang. Nicht durchgehend, sondern immer mal wieder. Lediglich auf der nördlichsten Etappe von Vakkotavare nach Abisko war bis wenige Kilometer vor Abisko kein Empfang.

So sah meine geplante Route aus:

🗺️
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Ausrüstung und Vorbereitung
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Auf die Tour habe ich mich fast ein Jahr lang vorbereitet. Zur Vorbereitung zählten unter anderem: Richtige Schlafsack-, Zelt- und Rucksackwahl, sowie die Frage nach Sicherheit, Orientierung, Navigation, aber eben auch die körperliche Vorbereitung. Immerhin habe ich zuvor noch nie 16 Kilogramm Gepäck mehrere Hundert Kilometer durch die schwedische Wildnis geschleppt. Das Thema Ausrüstung und Vorbereitung ist deshalb sehr vielseitig. Falls du konkrete Fragen hast, schreib mir einfach.

Meine ungefähre Ausrüstung kannst du hier nachlesen: https://lighterpack.com/r/cxrv96

Zu meinen Erfahrungen mit dem Exped Lightning 45 Rucksack habe ich einen eigenen Artikel geschrieben.


Markus
Markus
Insgesamt habe ich mich sehr gut vorbereitet und die Tour lief insgesamt sehr glatt. Auch hätte ich erwartet, dass ich im Vorfeld deutlich aufgeregter sein würde als ich letztlich war. Aber was am Ende das schwierigste auf der Tour sein würde, hat mich sehr überrascht. Schau in der ersten Etappe vorbei, wenn du wissen willst, was ich genau damit meine.
Kungsleden 2024 - Dieser Artikel ist Teil einer Serie.
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