
Wie fühlst du dich jetzt (direkt danach)?#
Auf den letzten Metern gehen einem so etliche Gedanken durch den Kopf. Einige sind eher absurd: wo entsorge ich denn meine Wanderstöcke. Andere etwas nachvollziehbarer: was werde ich fühlen, oder wie wird es mir danach gehen?
Man muss sich nicht vorstellen, dass mich Gefühle oder Emotionen geflutet haben. Im Gegenteil, es herrschte eine innere Ruhe und auch Erleichterung. Ich war froh und auch ein bisschen stolz darauf, dieses Abenteuer aus eigener Kraft gemeistert zu haben, und ich war erleichtert, weil es jetzt vorbei ist.
Am besten fasst dieses Bild zusammen, wie ich mich gefühlt habe. Es ist direkt, nachdem ich durch den berühmten Torbogen des Kungsleden in Abisko gelaufen bin, entstanden.

Wie fühlst du dich jetzt (Rückblick)?#
Zwei Jahre nach der Tour vermisse ich die Zeit auf dem Trail. Das ist auch der Grund, warum es mich dieses Jahr wieder zurück nach Schweden zieht. Diesmal soll es der Nordkalottleden werden, welcher als nächster Schritt in Richtung Gröna Bandet dienen soll.
Würdest du es nochmal machen?#
Diese Frage wurde mir wirklich oft gestellt. Gerade von anderen Wanderern unmittelbar nach der Tour. Die Antwort war meistens ein klares Nein, mit dem Zusatz, dass es in irgendeiner Zukunft ein neues, langes Abenteuer geben wird, oder dass man den Kungsleden in einer anderen Variation noch einmal läuft.
Was war dein Höhepunkt?#
Die ehrliche Antwort steht schon im Fazit: nicht ein Ausblick oder Moment, sondern die Begegnungen mit den Menschen.
Ich möchte mich auf keinen einzelnen Moment festlegen. Jede Etappe und jeder Tag hatte seinen Höhepunkt. Aber die folgenden Erlebnisse gehören zu meinen schönsten:
- der Beginn meiner zweiten Etappe von Ammarnäs, und die Erfahrungen am und um den “Misery Mountain”
- wo ich den Boden aufgelockert habe, damit das Wasser ablaufen kann (Etappe 4)
- Begegnung mit Hüttenwirt in Aktse, sowie die Erlebnisse des Nebels am Skierffe
- dass ich diese Reise zwar alleine begonnen habe, aber mich Pelle, Jonn, Thomas, Mr. und Mrs. Orange und noch viele andere teilweise oder bis zum Ende begleitet haben
Was war dein Tiefpunkt?#
Einen richtigen Tiefpunkt gab es nicht wirklich. Emotional ist eine solche Tour natürlich ein auf und ab der Gefühle. Allerdings hatte ich keinen richtigen emotionalen Tiefpunkt. Lediglich Sorge darüber, ob mein Körper die Belastung standhält und Überlegungen deshalb doch früher auszusteigen und nach Hause zu fahren.
Wenn ich aber einen Tiefpunkt benennen müsste, dann fallen mir zwei ein:
- definitiv die Übernachtung in der Hütte von Sjnulttje
- emotionaler Tiefpunkt, als ich lethargisch 10 Minuten Mücken getötet habe

Hattest du jemals Angst?#
Ja. Genau einmal, richtig.
Und zwar beim Aufstieg zum Skierffe als ich auf einmal in einer Nebelwand stand und kurz zuvor vom Weg abgekommen bin. Dabei war mir noch kalt, da ich nass geworden bin. Als ich dann nichts mehr sehen konnte, wurde ich leicht panisch. Zum Glück hatte ich noch genügend Akku und konnte mich über GPS orientieren. Allerdings habe ich dann den Abstieg begonnen, um mich nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Wahrscheinlich habe ich die Situation überbewertet und es war halb so wild.
Was hat dich am meisten überrascht?#
Wie viel Vertrauen unter Wanderern selbstverständlich ist. Rucksäcke, Handys, Zelte – alles liegt offen herum, und niemand macht sich ernsthaft Sorgen.
Besonders überrascht hat mich, wie schnell man sich an den Touralltag gewöhnt hat. Im Prinzip ist man bereits nach der zweiten Nacht im Rhythmus.
Würdest du wieder allein losgehen?#
Warum nicht? Ich hab doch Emil!

Was vermisst du am meisten – und was überhaupt nicht?#
Ich vermisse am meisten, die “Unendlichkeit” des Trails in seiner Einfachheit auf der einen und seiner Komplexität auf der anderen Seite. Instinkte, Intuition und Entschleunigung haben keinen Platz im modernen Leben. Unterwegs sind sie überlebenswichtig. Unterwegs kann alles Unterdrückte in den Vordergrund treten und die Kontrolle übernehmen.
Was ich überhaupt nicht vermisse sind die Mücken (-:
Welche Erkenntnisse hast du gewonnen?#
Uff, die schweren Klopper am Ende? Ich habe so viel gelernt, hauptsächlich über mich selbst, dass ich das hier nicht einfach so beantworten kann. Das Thema werde ich, wenn überhaupt, in einem eigenständigen Artikel verarbeiten.


